Othello

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Remembering Othello

Veröffentlicht 26. Mai 2014 von sonjaschiff

otti in bewegungLieber alter Freund Othello,

heute ist es ein ganzes Jahr her, dass Du, wie Frauli das nennt, über die Regenbogenbrücke gegangen bist.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie schlecht es dir damals ging in der Nacht. So schlecht, dass Frauli sogar bei dir am Gang geschlafen hat, um mit dir alleine zu sein. Morgens dann das volle Verwöhnprogramm mit kiloweise Schinkenwurst. Und dann die Fahrt zum Doktor Karl, du hinein und ich musste draußen im Auto warten. Und dann kamen Herrli und Frauli wieder heraus, nach sooooo langer Zeit. Alleine. Ohne Dich.

Wie es dir wohl geht jenseits der Regenbogenbrücke?
Frauli meint du hättest dort keine Schmerzen mehr und ein superschönes Leben. Man dürfte dort Katzen und Hasen jagen ohne geschimpft zu werden. Außerdem würden dort die Gutzis einfach so rumliegen und an den Sträuchern hängen und man könnte fressen wann und so viel man möchte. Bist eh noch nicht geplatzt, alter Fresssack?? Weil weißt eh, du warst hier bei uns schon ein bisserl arg pummelig! Außerdem gibt’s auch jenseits der Regenbogenbrücke Freunde, hat Frauli gemeint. Coco wäre erst kürzlich zu dir gekommen und Grace.  Achja, und Mitso müsstest du auch schon getroffen haben! Habts euch sicher wieder dramatisch angeknurrt, gell!? Ihr zwei Machos!
Hast sie eh begrüßt und ein bisschen eingewiesen in das Leben dort drüben? Man braucht sicher einen Freund, wenn man ohne Herrli und Frauli da nach drüben geht. Wer hat dich eigentlich damals in Empfang genommen??? Sicher viele, warst ja immer recht beliebt, Du Seelchen.

Bei mir ist eine junge durchgeknallte Hündin eingezogen, sie wird Girly gerufen und ist echt anstrengend. Vorbei ist es mit der Ruhe, das sag ich dir. Was war das nur für ein beschauliches Leben mit Dir. Mit Girly bin ich laufend gefordert. Ständig gibt’s Knatsch. Aber ich will mich nicht beschweren. Bin froh, dass es sie gibt. War nämlich arg leer mein Hundeleben, nachdem du über die Regenbogenbrücke gegangen bist. Hier ein Foto von uns beiden.

schwestern1

Achja, Frauli studiert jetzt. Was das bedeutet? Na, sie geht in Vorlesungen und dann sitzt sie ständig am Schreibtisch und arbeitet. Und wenn ich an ihr hochspringe, dann sagt sie „Nicht jetzt, Nutella“ oder“ Nutella, lass das jetzt“. Wir müssen immer schön brav sein, Ruhe geben und schlafen, wenn Frauli liest und studiert. Und ich sag Dir, da liegen Dutzende Bücher!! Ich glaub die liest die nächsten 10 Jahre. Studieren find ich doof. Total doof.

lesen

 

Und sonst? Eh alles roger! Herrli knippst wie immer rum mit seiner Fotomaschine. Derzeit übrigens keine nackigen Frauen, sondern Frauen und ihre Hunde. Bin ich ein bisserl eifersüchtig. Wäre ja gern dabei. So ein wenig Kontrolle wäre, glaub ich, schon wichtig. Aber, ich darf nicht dabei sein.  Der Herr macht das ohne mich. Übrigens auch ohne Frauli. Naja, muss sie selber wissen……..aber ich schnuppere ihn eh immer von oben bis unten ab, wenn er nach Hause kommt. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Achja, muss ich dir unbedingt noch sagen: Von dir hängt ein gemaltes Bild in goldenem (!!!) Rahmen im Wohnzimmer in Salzburg. Und in unserem Garten in Ungarn liegt ein Stein, da steht „Seelenhund“ drauf und Dein Name. Finde ich ja arg übertrieben, aber Frauli und Herrli brauchen das halt. Nur das Foto von Dir, das bis heute neben Fraulis Bett gehängt ist, das hat sie heute abgenommen.  Zuerst geküsst. Und dann in kleine Stückchen zerrissen, weggeworfen und gesagt: Ein Jahr ist um, jetzt wird es Zeit“.

Aber keine Sorge, sie vergisst dich nicht. Und Herrli auch nicht! Da sorge ich schon dafür!!

Mach es weiter gut da drüben, alter Freund! Ich halte hier weiter die Stellung.
Passe auf die Beiden gut auf, so wie Du es mir einst aufgetragen hast,
Und du weißt ja, das ist manchmal echt Schwerarbeit.

Und dass Du ja nicht UNS vergisst, vor lauter Hasen jagen, fressen und toben!
Wäre ich arg traurig darüber.

Hier noch ein Nasenschlecker von mir!
Deine Freundin
Nutella

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Bye, bye, Othello!

Veröffentlicht 26. Mai 2013 von sonjaschiff

letzter tag3

letzter tag2Als ich heute Vormittag mit Othello so am Bett von Frauli lag, wusste ich nicht, dass er ein paar Stunden später nicht mehr bei uns sein würde. Obwohl es, wenn ich es mir recht überlege, schon seltsam war, dass wir aufs Bett durften ohne Überdecke drauf und wir heute beim Frühstück kiloweise Schinkenwurst bekamen.  Hätte ich es gewusst, wäre ich viel näher an ihn heran gerückt heute im Bett und hätte ihm noch einmal lieb die Schnauze geleckt……  aber Frauli hat mir nix gesagt.

In den letzten Tagen hat Othello schon mehrmals gemeint, dass es jetzt nicht mehr lange dauern würde. Er wäre jetzt 15 Jahre und 5 Monate alt, in Menschenjahren umgerechnet wären das 100 Jahre und es würde langsam alles sehr sehr mühsam werden. Er könnte nicht mehr hüpfen und springen wie früher, nicht mehr toben. Alles würde weh tun. Außer Fressen. Er sagte, er müsste bald über die Regenbogenbrücke gehen.  Regenbogenbrücke? Weggehen? Warum das denn? Aber trotz vieler Fragen habe ich irgendwie keine richtig verständliche Antwort bekommen.  Othello meinte nur, jeder müsse irgendwann diesen Weg gehen. Aha…….

Heute am Morgen – nachts hatte Othello starken Durchfall, jammerte und klagte viel und Frauli lief die halbe Nacht mit ihm in der Wohnung rum, hielt ihn, stütze ihn, streichelte ihn – sah er mich an und sagte: Jetzt ist es so weit. Jetzt bist du dran mit Aufpassen auf die Zwei.

Und dann stiegen wir ins Auto, fuhren zum Tierarzt, Herrli, Frauli und Othello stiegen aus…..und kamen eine Stunde später ohne Othello wieder raus.  Sie rochen seltsam, sie weinten…..die Regenbogenbrücke macht sehr traurig.  Jetzt geht es Othello gut, meinte Frauli und streichelte mir über den Kopf.

Ich bin jetzt also alleine mit Sonja und Rochus. Othello kommt ganz sicher nicht mehr. Ich weiß es. Frauli hat weinend sein Bett weggeräumt. Und seinen Napf. Heute Abend hat sie auch für ihn kein Fressen mehr zubereitet.

Ab heute bin also ich hier verantwortlich. Muss gut auf die Zwei gut aufpassen. Habs dem Othello vor langer Zeit schon  versprochen. Und ich halte meine Versprechen!

Bye, bye Othello ! Grüß mir den Regenbogen! Ich hoffe es ist schön dort wo du jetzt bist!

Lammfromme Nutella

Veröffentlicht 23. April 2013 von sonjaschiff

Hey, da haben doch glatt ein paar LeserInnen nach der letzten Geschichte Angst gehabt, daß ich den alten Othello nicht immer gut behandeln würde. Frauli bekam Mails und wurde auf der Hundewiese darauf angesprochen. Na was schreibt sie auch solche Sachen über mich. Tztztztztztz………..

Keine Panik auf der Titanic! Ich bin lammfromm!

Hier der Beweis. Er darf nach dem Essen zu mir auf mein Bett.
Äh…..ich meine…..auf Fraulis Bett.

after lunch

Na, gibts jetzt immer noch Klagen?
Gemeinsames Verdauungsschläfchen. In totaler Harmonie.
Arsch an Arsch. Mehr geht echt nicht, Leute!

Bruder mit besonderen Bedürfnissen

Veröffentlicht 3. April 2013 von sonjaschiff

silvesterboyWie Ihr ja wisst, besteht meine Meute aus Frauli, Herrli, mir und old dog Othello.

Ja, und dieser old dog Othello macht mir echt zu schaffen. Mann, braucht der viel Zuwendung und Schutz. Die ganze Zeit heißt es „Lass den Othello in Ruhe“ oder „Pass auf Othello auf“. Die ganze Zeit!

Ständig muss ich Rücksicht nehmen. Darf ihn beim Toben nicht umhauen, darf ihn nicht anspringen, nicht zu viel belecken, nicht anknurren. Nix. Darf ihm nicht das Fressen wegessen, obwohl der total langsam frisst, was ja eindeutig bedeutet, dass er keinen großen Hunger hat. Im Gegensatz zu mir! Ständig heißts beim Gutzibekommen oder bei der Fressensverteilung zuerst „Othello“, was bedeutet der alte Sack bekommt vor mir, und erst dann hör ich Frauli oder Herrli sagen „Nuuuuuutella“. Jedes Mal! Ich habs echt satt. Irgendwie.

Frauli kommt mir seit heute auch noch moralisch
Grad vorhin hat sie mir eine echt herzzerreißsende Geschichte erzählt. Angeblich sind wir im Juni, ich war grad 2 Tage bei dieser Familie und ja fast noch ein Baby, in der Saalachau spazierengegangen. Ich sei total ängstlich gewesen und wäre immer dicht beim neuen Frauli geblieben. Hätte sie keine Sekunde verlassen. Eine ganze Stunde lang. Dann am Rückweg ist Othello plötzlich nach vorne, ging immer 5 Meter vor uns. Und da hätte ich mich angeblich total an ihm orientiert. Wäre einen halben Meter nach vorne zu ihm, aber gleich wieder ängstlich zurück zum Frauli, dann nochmal, dann einen Meter nach vorne und schnell wieder zurück, dann zwei Meter, drei Meter, schnell zurück und vier Meter und irgendwann nach einer halben Stunde wäre ich endlich Seite an Seite mit ihm gelaufen. Stolz und mit hoch erhobenem Kopf. Sagt Frauli. Sie meinte sie wäre in dem Moment total stolz auf mich gewesen. Ja sogar glücklich hab ich sie gemacht. Aber- und jetzt kommts und ich kann es gar nicht glauben- ohne Othello hätte ich das nicht geschafft. Sagt Frauli. War ich echt so eine peinliche Memme??

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Naja, auf alle Fälle soll ich deshalb nett sein zu ihm. Zu meinem behinderten Bruder, so nennen ihn Herrli und Frauli manchmal im Spaß. Also wirklich! Er ist alt, 15 Jahre und 3 Monate, taub, fast blind, langsam, total vergesslich (Frauli nennt ihn manchmal Dementius), kommt nur noch laaaaaaangsam die Stiegen hoch und hat erst kürzlich ins Stiegenhaus gekackt. Dass er auch in eine Windel pinkelt, weil er es die 3 Stockwerke nicht trocken runter schafft, muss ich ja nicht extra sagen, oder? Und den soll ich auch noch mögen?!

Heute hat Frauli zu Herrli gesagt „Behinderter Bruder“ dürfen wir nicht mehr sagen. Jetzt sagt man korrekt „Bruder mit besonderen Bedürfnissen“. Aha. Auch das noch. Ich sags ja, immer wird der bevorzugt behandelt! Immer.

Und dann hat Frauli traurige Augen gemacht und Herrli gefragt: „Denkst du er schafft den Sommer noch?“ Darauf hat Herrli dann feuchte Augen bekommen.
Maaaaaannnnnnnnnnnnnn!!! Na sicher schafft der Bruder mit besonderen Bedürfnissen noch den Sommer! Wer soll mir denn sonst das Schwimmen richtig beibringen???

erstes bad 2012

Hühnerjäger & Hühnerjägerin

Veröffentlicht 25. September 2012 von sonjaschiff

Jaja, da denken alle Othello wäre alt und sehr l a n g s a m und schon ein bisserl dement (Herrli nennt ihn liebevoll „Dementius“, weil er oft irgendwie sinnlos wo rumsteht), doch schwupp! belehrt er alle eines Besseren.

Letztes Mal in Ungarn sind wir alle – Herrli,Frauli, Othello und ich – durch unseren Wald gestreift. Das erste Mal. Wollten den Wald kennenlernen.
Am Ende des Waldes war dann ein anderes Grundstück, abgetrennt durch einen Zaun und dort stand ein alter Mann und rund um ihn viele, viele grosse Vögel. Heute weiss ich, man nennt sie Hühner.
Der Mann lächelte freundlich, öffnete das Gartentor und sagte: Jo estet kivanok. Das heisst so viel wie „Guten Abend“, Frauli und Herrli nickten und Herrli lief zu ihm hin, sagte er solle bitte das Gartentor schliessen, was er scheinbar auch tat. Dann wurde geplaudert. Blablablablaaaaaa und plötzlich….ein Höllenlärm, Geflatter, Gequietsche, Gegacker! Der alte demente Othello hatte still und heimlich das nur angelehnte Gartentor geöffnet. Was für ein Spaß! So geht also Hühnerjagen! Juuhuuuu! Nix wie hin und von Othello lernen! Hinter den gackernden Hühner her laufen, sie in die Ecke treiben, nach ihnen schnappen. Verdammt! Die lassen ihre Federn fallen. So ein Mist. Dann eben das nächste Huhn. Verflixt. Wieder nix. Herrli schrie, Frauli hetzte hinter uns her, erwischte mich fast, aber nur fast. Und weiter gings. Herrli fiel fast in den Gatsch. Und der alte Mann griff nach Othello. Nicht erwischt, hehehehe! Juuupiiduuuuuu!
Irgendwann war die Jagd zu Ende. Frauli hatte mich erwischt und hielt mich fest und dem Othello gings auch nicht besser. Was wurden wir da angebellt und geschimpft! Othello zog den Schwanz ein, liess mit herzzerreissender Miene die Ohren hängen, zwinkerte mir heimlich aber zu. Ach so geht das! Also tat ich ihm nach. Rasch die Ohren ängstlich nach hinten gelegt, den Schwanz zwischen die Beine gezogen und schon waren alle beruhigt.

Die Hühner haben übrigens alle überlebt. Liefen nur nach der Jagd alle halbnackt rum. Sah lustig aus! Herrli und Frauli entschuldigten sich hundert Mal bei dem alten Mann, aber der sagte nur: Kein Problem, nix passiert.

Seit diesem Tag weiss ich: 1) Ungarn ist voll mit Hühnern. 2) Meine Chance wird noch kommen. 3) Othello sollte man nicht unterschätzen!

Hey, old boy, show me more about life!
Übrigens: Von unserer Hühnerjagd gibts leider keine Photos. Herrli war anderweitig beschäftigt. 😀

Ich und eifersüchtig?

Veröffentlicht 9. August 2012 von sonjaschiff

 
Mein Urlaub dauert jetzt schon fast 2 Wochen und scheint kein Ende zu nehmen! Der dauert und dauert und ist jeden Tag super! Das besonders Tolle daran ist, daß Herrli und Frauli und Othello rund um die Uhr mit mir sind. Jeden Tag! Von Früh bis wieder Früh.

 

Gestern haben wir einen laaangen Spaziergang an die Maggia gemacht. Wir sind ewig bei brütender Hitze den Fluss entlang gelaufen. War zuerst gar nicht so lustig. War heiss. Und man konnte nicht zum Wasser, weil da so hohe Mauern waren. Hat mir nicht gefallen. Gar nicht. Immer grad aus. Immer heiss. Auch der alte Othello hat gehechelt wie blöd, ist aber aus mir unerfindlichen Gründen freudig weiter gelaufen.

Am Ende- warum hat mir das vorher niemand gesagt, bitte – fliesst diese Maggia in den Lago Maggiore. Nach Stunden endlich Wasser! Othello und ich konnten baden, im Wasser Stöckchen suchen und einen anderen Hund gabs auch zum Ärgern. So einen dicken ungelenken Golden Retriever. Dem hab ichs vielleicht gezeigt! Hahahaha.

Frauli hat sich später in ein langes weisses Ding gelegt, Hängematte heisst es. War mir ein bisserl unheimlich. So schaukelig und groß. Aber ich hab Frauli brav bewacht in der Hängematte. Halt mit ein bisserl Abstand. Othello hat sich wieder mächtig eingeschleimt bei Frauli. Sag ich besser gar nix dazu. Könnt Ihr eh selber gucken. Frauli hat mich angeschaut als ich so schräg rüber sah und gelacht: „Du bist eifersüchtig, Prinzessin.“ Pah, ich und eifersüchtig. Mir doch egal die Schmuserei.

Beim Weg nach Hause hab ich dann eine Unterhaltung von Herrli und Frauli belauscht. „Morgen ist unsere Kleine schon 7 Monate alt“ und „Morgen ist sie außerdem 2 Monate bei uns.“ und „Für 7 Monate ist sie echt ein Superhund, so brav, einfach unglaublich.“
Na dann, her mit dem Geburtstagskuchen morgen! Und keine Sorge Leute, ich bin gekommen um zu bleiben! Das mit dem Gehorchen……..naja…….schaun wir mal…..

Old Boy Othello

Veröffentlicht 9. Juli 2012 von sonjaschiff

Heute erzähle ich mal nicht von mir. Auch wenn ich schon wieder tolle Sachen erlebt habe. Nein, heute erzähle ich Euch von Othello, meinem alten Freund.

Othello ist ein Spanielmischling und sage und schreibe 14,5 Jahre alt. Weiss gar nicht wie oft man schlafen muss, bis man 14,5 Jahre  ist. Puh!!  Othello lebt schon 14 Jahre mit Frauli und er war so alt wie ich heute, als er zu Frauli kam. Er hat mir erzählt sie hätte ihn aus dem Tierheim geholt eines Tages und seitdem wäre er bei Frauli. Rochus kam erst später dazu. Den haben sie zusammen aus Frankfurt geholt, er und Frauli.

Stellt Euch vor, Othello wurde von seiner ersten Familie im Winter, spät in der Nacht, beim Zaun am Tierheim angehängt. Stundenlang hat er darauf gewartet wieder abgeholt zu werden. Er hat sich schrecklich gefürchtet, dann begann es zu schneien und er fror ganz erbärmlich, hatte riesigen Hunger und war sooo alleine. Morgens haben ihn dann die MitarbeiterInnen des Tierheims gefunden. Da war er schon ganz verzweifelt und unterkühlt. Aber er hatte Glück! Nach nur 3 Tagen im Tierheim, entdeckte ihn Sonja und nahm ihn mit. Seitdem lebt er bei ihr und sie nennt ihn meinen „Seelenhund“.
Othello hat mir erzählt, daß Frauli mal eine schlimme Zeit hatte und sehr viel weinte. Da hätte er sich dann zu ihr gelegt, ganz nah, und ihre Tränen geleckt. Bis sie wieder heiter war und ihn mit einem langen Spaziergang belohnte. War ganz schön viel Arbeit, meinte er „Seelenhund“ zu sein.

Überhaupt. Othello hat mir erklärt, daß jeder Hund eine Aufgabe hat. Es gibt etwa Lawinensuchhunde, Polizeihunde, Blindenhunde, Trüffelsuchhunde und Wachhunde. Es wäre wichtig eine Aufgabe zu haben, Sinn im Leben, eine Berufung. Othello hat sich entschieden Seelenhund und Schmusehund zu sein. Das wäre er heute noch, mit Leib und Seele. Klingt interessant, oder? Welche Aufgabe ich wohl mal haben werde??

Othello ist ein sehr alter Herr. Früher war er mal schwarzhaarig und, wie er mir versicherte, schlank mit guter Figur. Jetzt aber ist er etwas mollig und aus der Form. Zudem ist er ganz weiss im Gesicht und um die Augen, Frauli nennt das „Altersbrille“. Außerdem ist er der letzte Überlebende seines Wurfes. Und das obwohl er einen Herzfehler hat und vor Jahren von einem großen Hund attackiert und am Hals schwer verletzt wurde. Frauli sagt, Othello wäre ein Methusalem. Keine Ahnung was das ist ein Methusalem. Aber dürfte nicht weh tun.

Othello ist ein bisschen langsam. Der trottet immer gemütlich dahin. Er kann nicht mehr so gut „hopp“ und tut sich beim Stiegensteigen schwer. Aber trotzdem will er manchmal mit mir „hopp“ machen und über Baumstämme springen. Da packt Frauli ihn dann immer heimlich am Hundegeschirr und hilft kräftig mit. Und wenn Othello sich dann freut wie ein König, lässt Frauli schnell das Hundegeschirr aus, damit er nicht merkt, dass ihm geholfen wurde. Schaut mal wie er sich vorgestern freute mit mir als ich „hopp“ machte!

Manchmal, wenn Frauli mit Othello schmust, sehe ich, dass sie ganz traurige Augen bekommt. Sie flüstert dann mit ihm, sagt „mein bester alter Hund“ zu ihm und streichelt ihn ganz sanft. Und ich hab genau gesehen, daß Othello für Gutzis nichts mehr tun muss. Ich muss ja „platz“ und „sitz“ machen und so Zeugs, damit ich ein paar Gutzis abstauben kann. Aber Othello bekommt die Gutzis ohne Aufgabe. Einfach weil er da ist und knuffig schaut mit seinem weissen Gesichtchen. Ich glaube, Seelenhund sein ist etwas ganz Besonderes und hat viele Vorzüge.

Othello hat mir gesagt, dass er jetzt 14 Jahre aufs Frauli und 10 Jahre aufs Herrli aufgepasst hätte. In näherer Zukunft könnte er das aber nicht mehr machen. So in 2-3 Jahren vielleicht. Bis dahin sollte ich erwachsen geworden sein, denn dann müsste ich das übernehmen. Ohne Aufpassen machen die nur Blödsinn, meinte er. Viel Bewegung bräuchten Herrli und Frauli, Unterhaltung, Gefahrensicherung beim Wandern, Schutz vor Angreifern und eben viel Liebe. 

Ich habs ihm hoch und heilig versprochen und er guckte danach sehr zufrieden. Bisschen melancholisch der old boy. Solange er mit mir „hopp“ macht, so unglaublich lange schwimmen geht und nach einer langen Wanderung gleich zwei Stufen auf einmal nimmt, wenn wir nach Hause kommen, seh ich ja echt keinen Grund für Dramatik.  Außerdem: Wäre etwas früh für mich so große Aufgaben zu übernehmen. Bin doch noch ein Baby….!